joi, 3 aprilie 2014

Despre fericire sau festina lente

"Das Glück ist da, wo wir sind


Ein Mann sitzt im Boot und rudert über einen See. Langsam, gleichmäßig und kräftig zieht er die Riemen durch das Wasser. Seine Gedanken schweifen ab. Er sinnt über alles Mögliche nach, nur nicht über das Rudern selbst. Er spürt die wärme der Sonnenstrahlen in seinem Nacken und wie ein leichter Wind über seinen Rücken streift. Heiterkeit erfüllt sein Gemüt. Der Mann weiß was er kann. Er ist eins mit dem, was er tut, und er ist sich dessen bewusst, dass sein Körper jede Bewegung kennt, mit der man ein Ruderboot so voranbringt, dass die aufgewendete Kraft möglichst effektiv und sparsam eingesetzt wird.
Was, wenn er über das Rudern nachdächte? Wenn er überlegte, was sein linker Arm jetzt machen muss und dann der rechte und wie seine Hände die Ruder halten und welche Stellung die Schulter einnehmen muss? Er käme wahrscheinlich aus dem Takt und würde sich mit seinen Schlägen verheddern. Rudern ist eine Frage des Vertrauens. Vertrauen zu sich selbst, zu den eigenen Fähigkeiten. Vertrauen in das Leben und in den Weg, auf dem man sich befindet.
Und was ist mit dem ziel des Ruderers? Sicher - er will den See überqueren, um an das andere Ufer zu gelangen. Aber er widersteht der Versuchung, seine Schlagzahl zu erhöhen. Er rudert nicht nach der Stoppuhr. Es ist ihm nicht wichtig, schneller anzukommen. Es ist kein Wettkampf. Eile ist nicht vonnöten. Denn Eile ist die Kraft, die uns unruhig macht und uns hektischer werden lässt. Eile wirkt zwar modern und dynamisch - aber steckt darin nicht immer auch ein Zeichen von Verunsicherung? Ist der Eilige nicht auch deshalb bemüht, sein Ziel möglichst schnell zu erreichen, weil er sich davor fürchtet, es zu verfehlen? Und was kommt danach? Der Eilige kann das Erreichte meist nicht genießen. Er ist schon wieder auf dem Weg zum nächsten Ziel, zum nächsten Ufer.
So sind Menschen wie der Mann in seinem Ruderboot nicht. Folgt man der Auffassung des Zen-Buddhismus, haben wir das andere Ufer ohnehin bereits erreicht, auch dann, wenn wir uns noch mitten auf dem See befinden. Alles was wir dort suchen - Glück, Frieden, Liebe - , ist bereits hier, wo wir sind.
Die Kunst besteht darin, es zu sehen und zu erkennen - und beim Rudern nicht über das Rudern nachzudenken.

Uwe Bokelmann"